Atomic inferno
Der Hexenturm
Der Star.
Eine Zigarrenkiste voll
Hilflose deutsche Geschichte
Hundert Jahre (1914-18)
Pan
Ragnarök
Unsere Heimat

Pan

Flirrende Hitze in des Tages Mitte,
regungslos alle Geschöpfe 
im Schatten von kargen Bäumen, 
warten auf die erträgliche Kühle des Abends
Alle Gedanken schweben 
silbernen Träumen gleich
hinauf in die blauen Berge des Parnons.

Wartest du immer noch dort
an der flüsternden Quelle auf Syrinx,
um dich im Garten des Hermes
mit ihr zu vermählen?
Vergebliches Hoffen, du weisst es,
dort unten zum Flusse hin floh sie
vor dir und deiner Begierde.

Furchtsam die scheue Nymphe,
erkannte sie bald, dieser Fluss 
war nicht überwindbar und so 
verwandelte sie sich 
in schwankendes Schilfrohr
nicht ahnend, dass längst du
ihre neue Gestalt schon entdeckt!

Ohne Bedenken, Pan, wagtest du
einfach, dies Rohr nun zu schneiden,
schnitztest daraus ein stimmvolles
und dennoch zartes Gebilde,
dessen herrlicher Klang voll 
unbeschreiblicher Sehnsucht
durch die blauen Haine erklingt.

Wenn nun heute am Abend 
die liebliche Stimme der Syrinx erklingt,
erinnert dies an die Nymphe 
der silbrig hellen Quelle hoch in den 
peloponnesischen Bergen,
wo Pan einst sein Begehren 
und seine Liebe 
in einer siebenrohrigen Flöte vereint.

 

 

 

 

Der Hexenturm

Ein wunderschöner Sommertag,
Hoch auf ragt in den Himmel
der Hexenturm aus alten Tagen
am Rande halb zerfallener Mauern.
Aus eines alten Mannes Munde
erfahr die Mär ich ungeschminkt 
vom Schicksal vieler Hexen
dieser schönen alten Stadt.

Das Grauen sitzt noch tief 
in modrigen Gewölben.
Aus tiefdunklen Verliesen 
geistert noch in vielen Köpfen 
das teuflisch lodernd Feuer.
Und immer noch schürt 
der Henker das glühende Eisen
wie in vergangener Zeit.

Rostbraune Flecke dort
an den Wänden zeugen
von Qualen und Schmerzen,

erlitten in einsamen Nächten,
in denen Verzweiflung
das einzige Brot war 
und Hass das einzige 
Wasser des Lebens.

Als ich diese grauenerregenden
Mauern wieder verließ,
verfolgten mich deren Bilder 
noch Nächte lang in Gedanken
der Trauer und des Entsetzens.
Gern würde ich heute 
die Richter von damals befragen,
warum hier so Grauenvolles geschah. 

Wie gut nur, dass gestern und heute 
so fern voneinander bestehen. 
Wie sonst könnten Menschen 
voller Neugier die Stätten
ruhigen Herzens besuchen,
wissend, dass in diesen Mauern
entsetzliches Unrecht 
von Menschen an Menschen geschehen

 

 

 

 

.

Eine Zigarrenkiste voll

Eine Zigarrenkiste voller Fotos, 
zerknittert und vergilbt,
eine Handvoll Bilder blieben ihr
von ihrem Leben.

Sie sucht in alten Träumen
die Reste alter Zeit.
Wie Schatten steigen Menschen
aus diesem Bild hervor.

Hellwache Kinderaugen erinnern 
an die längst vergangenen Tage,
als noch die Hoffnung blühte, und
der Glücksklee hier zu Hause war.

Erinnerungen dort in jenem Bild,
Erlebnisse voll Bitterkeit,
lassen ihr Herz beim Anschau´n
heut noch schneller schlagen,

Dann hier im nächsten Bild
manche geliebte Menschen, 
die vor vielen Jahren schon
in die Ewigkeit hinweggenommen.

Es schmerzt noch heute,
wenn sie ihre Bilder sieht.
Sie sprechen, weinen, lachen
noch oft in manchem ihrer Träume.

Dann Fotos, aus der Kinderzeit, 
auch als Teenie jung und schön.
Sie fühlte immer sich geborgen 
im grossen Kreise ihrer Lieben. 

Die Zeit ging über sie hinweg.
Bilder von heute verdrängen
Licht und Schatten ihrer
eigenen Vergangenheit.

Diese Zigarrenkiste aber ist 
ihr großer Schatz, den sie, 
so lang sie leben wird, behütet 
und an dem sie sich erfreut.

 

 

 

 

Hundert Jahre 
(1914-18)

Damals, als der blasse Mond im See versank,
sein Schein im Nebelgrau des Morgens sich verlor;
als der kleine Fluss rostrote Tränen weinte,
hielten alle Sterne ihren Atem an.

Damals, als alle Bäume sich vor Demut beugten
und ihr Laub abwarfen, verloren viele Menschen
ihr Dasein an vielen Tagen blutig
heißer Schlachten ohne Ziel.

Damals, als Millionen Menschen
ihr Leben opferten, für einen Sinn,
den sie selbst nicht verstanden,
nur für die Mächtigen, die sie missbrauchten,

Seit damals ist nichts mehr, so wie es vorher war,
denn seit damals hat die Menschlichkeit
den Sinn in vielen neuen
Kriegen tausendfach verloren.
 

 

 

 

 

 

 Ragnarök

Ganz sachte geht nun 
dieser Tag zur Neige.
Durch dunkelgrünes Laub
rauscht leis der Abendwind.

Der unwirklich hohe Dom 
jahrhundertalter Buchen
strahlt mit barocker Pracht
in des Mondes Silberglanz. 

Gebannt schau ich hinauf 
in die stolzen Wipfelhöhen,
die mir von alten Zeiten 
und fernen Welten singen.

Wo ist sie hin, die alte Sage,
in der die Menschen ihre
Sehnsucht und Freude an
den Götterhimmel malten?

Wotan und Frija waren es einst,
die den Himmel beherrschten,
voller Ungeduld warten sie heut
auf das Ende der Welt: Ragnarök.

Wenn Baldur einst aufersteht,
wird das friedvolle Dasein
von Menschen und Göttern
aufs Neue in Eintracht beginnen.

Sachte geht nun der helle Tag 
endgültig dem Ziele entgegen,
in blaue Schatten gehüllt,
wartet die endlose Nacht. 

Seht doch, das Dunkel,
wo in der Höhe im Schatten 
der endlosen Nacht,
das Leben aufs Neue beginnt! 

(Ragnarök heißt der Kampf der Götter und Riesen,
in dessen Folge die ganze Welt untergeht. 
Flammen und Rauch werden zum Himmel schießen. 
Durch den Ausgleich von Ordnung und Chaos wird ein 
Gleichgewicht entstehen, das dem wiedergeborenen 
Allvater Odin verhilft, eine neue Welt zu schaffen. 
Alles Böse bessert sich.)


 

 

 

 

Atomic inferno

Höllengluten 
auferweckter Urweltkräfte.
Feuersäulen, ausgelöst von Menschenhand.
Gammastrahlenschwere Schleier
schweben weihrauchgleich zur Erde.
Jetzt gilt nicht mehr das 
"stirb und werde",
und selbst Gott schaudert 
vor dem Atem seiner Kinder!

 

 

 

 

Der Star.

-Für Harald Juhnke-

Verloren stehst du im gleißendes Licht 
konkurrierender Spots.
Ein Moloch, gnadenlos, 
wartet mit goldenen Zähnen
auf seine alltägliche Nahrung.
Die kreischende, wogende Menge 
schürt deine Illusion,
dass sie dich lieben.

Der Vorhang fällt, 
Schatten um dich herum, 
von dir selbst nicht bemerkt. 
Du gibst immer dein Bestes, 
doch niemals gelingt es, 
die Erwartung der Massen
wirklich zu stillen. 
Die Illusion aber bleibt dir,
dass sie dich lieben.

Du fliehst in die Masslosigkeit,
zerstörst deinen Traum, gehst,
in dir selber gefangen, den Weg
aus dem Morgen ins Gestern zurück.
Das Rampenlicht verlischt,
dich umfängt das Dunkel,
und du spürst nicht mehr,
ob sie dich lieben

 

 

 

 

Unsere Heimat

Ihr habt uns genommen
was einst  uns gehörte.
Land, Haus und alles
was euch an uns störte.
Uns blieb nur wandern
in endlose Ferne
uns blieben von allem
nur die nächtlichen Sterne.

Und macht ihr den Mund
unserer Kinder stumm,
so geht ein Raunen im Lande um.
Ein Beten, das tief
aus der Seele spricht:
unser Seele bezwingt
ihr nicht, denn sie
ist unser aller Heiligtum.

Wenn man uns heute
auch schweigen heißt,
so reden die Steine,
aus Stein ward Geist,
in Rathaus und Burg,
in Turm und Dom,
am Baltenmeere,
am Weichselstrom!

Wir wollen keine Rache
wie ihr sie sucht.
Gerechtigkeit ist es,
denn uns blieb nur die Flucht.
Wir suchen unsre Heimat -
das müsst ihr verstehn -
und wollen nicht nur still
zu den Sternen sehn.
 

 

 

 

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Hilflose deutsche Geschichte

Dämmerung am Himmel der Vergangenheit.
Unendlich weit das Blau der Gestirne.
Zähflüssiger Nebel verdünnter Dunkelheit
liegt wie eine Wolke 
über dem unendlichen Land
der Zeit.

Schweigen am Rande der Wirklichkeit.
Von fernher vertrautes Verdunkeln. 
Lichtsplitter verdrängen in fahlem Glanz
reflektiertes Wissen
vergangener Grausamkeit
und gelber Sterne.

Phantomgleich der Kreis der Gleichgültigkeit,
belastet durch Schallwellen
unserer Betrachtung.
Aus steuerungsloser Hilflosigkeit,
wo sich Fragen nach Gründen 
des eigenen Versagens stellen.

Verwirrung in schwankender Unsicherheit,
zeitloses Denken in erstarrten Schablonen.
In blassroten Versalien erscheint
die Feuerschrift an der Wand, 
das Menetekel
der schuldigen Henker.

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