Abendspaziergang
An mich ’
Begegnung
Diese Drei
Ein Stern
Ikarus
Klare Verhältnisse
Manchmal
Schlaflosigkeit
Stimmungen
Schon immer.
Spiegel
Vergiss es nicht!
Weisst du?

 

Schon immer.

Ich glaub, dich hab ich 
immer schon gekannt,
auch als ich dich 
noch gar nicht kannte.

Ich glaub, ich hab dich 
immer schon erwartet,
auch als ich dich noch nicht 
erwarten konnte.

Du bist mir so vertraut, 
als hätten wir vor vielen Jahren 
uns getroffen, auch als wir uns 
noch gar nicht treffen konnten.

Und lese ich die Zeilen,
die mich am frühen Morgen
noch vor dem Frühstück überraschen,

dann kommt es mir so vor,
als hätte ich dich immer schon gekannt,
hoffe, es könnte bei dir ähnlich sein.

 

 

 

Klare Verhältnisse

Wir wollten Klarheit. 
Wir wollten klare Verhältnisse.
Wie klar wollen wir uns denn sehen?
Wir schauen uns an 
durch die Fenster der Herzen
und sehen nicht klar, 
denn die Fenster sind blind.

Du sprichst von Eifersucht, 
die unser Leben belastet,
doch spürst du nie die Stiche 
der feinen Nadeln, mit denen du
Schmerzen bereitest, 
fragst dann noch harmlos,
warum ich schreie.

Wir wollten klar den Anderen sehen,
die Seelenfenster hielten zwar 
der Reinigung stand, 
doch sollten wir nicht
zu viel Putzmittel verwenden;
sie entlocken den Augen 
meist nur salziges Nass
und zerstören am Ende 
die Schutzschicht der Herzen
irreparabe

 

 

 

l.

Weisst du?

Weisst du, wie es ist,
wenn Träume sterben?
Wenn Wünsche begraben werden?
Hast du schon erfahren,
was Leere heißt, wie dir das Herz zerreißt? 

Kennst du das Gefühl,
verloren zu sein, allein?
Hast du schon eine lange Nacht
nur nachgedacht,
wenn du nur Kälte spürst, wenn du verlierst?

Weisst du, wie es ist, 
sich geborgen zu wissen,
niemals Zärtlichkeit zu vermissen?
Hast du schon erfahren,
wenn jemand dir Liebe schenkt,
nicht nur an sich selber denkt?

Kennst du das Gefühl,
fröhlich zu sein, nicht allein?
Hast du schon eine lange Nacht 
glücklich zugebracht?
Kennst du das, bleibst dennoch stumm
und fragst nicht ein einziges Mal:
Warum?

 

 

 

 

Vergiss es nicht!

Wenn Dunkelheit dein Herz erfüllt,
die Nacht dein ganzes Herz besitzt,
wenn der Morgen noch so fern
und die Sehnsucht in dein Kissen weint,
vergiss die Träume nicht

Wenn deine Träume schon
das Morgen in sich tragen,
wenn du beim ersten Lichtstrahl spürst,
dass nun der Tag erwacht,
vergiss die Hoffnung nicht.

Wenn früh am Morgen 
ein Mensch dich freundlich grüsst,
wenn dich ein Kinderlachen
in den Tag einstimmt,
vergiss die Menschen nicht.

Du bist die Nacht.
Du bist der Morgen.
Du bist der Traum, die Hoffnung,
das Leben und das Licht.
Vergiss es nicht ...
 

 

 

 

Schlaflosigkeit

Kreisende Gedanken in bleierner Schwere,
Bilder, Ideen, Fantasien, wirbeln
durch überaktives Bewusstsein.
Ein zum Wachen verdammtes Gehirn 
verweigert dem Geist den Gehorsam.

Jeder Gedanke verwirklicht sich, 
sucht nicht nach dem Sinn der Fragen,
sondern antwortet selbst 
auf banale Probleme
mit brillanter Lösung.

Währenddessen dreht sich die Erde
unablässig um ihre Sonne,
bemüht, den eignen Gesetzen zu folgen.
Geist wird zum Vakuum, Staub zur Materie,
Du wird zum Ich und Ende zum Anfang!

 

 

 

 

Spiegel

Ich schau in den Spiegel
meiner Seele, versuche dabei 
mein ICH, meine Fehler zu sehn,
doch der Spiegel belügt mich,
ein Gesicht blickt mich an
und ich muss erkennen,
dass ich mich selbst nicht kenne.

Ein Schlag mit der Faust
in das blinde Gesicht.
Splitterndes Glas vermischt sich
mit tropfendem Rot.
Voll Entsetzen sehe ich
keine Wunde an meiner Hand, -
dafür blutet das Herz!

 

 

 

 

An mich 

Wirf dein Herz weit weg
und sprich nicht mehr von Liebe.
Alles, was du sagst,
ist doch nur in den Wind gesprochen.
Wer will es schon hören?
Zärtliche Worte ohne Echo 
ersticken in liebloser Luft.
Trag dein Herz hinab zum Fluss,
wo Weiden sich leise wiegen
und die Hoffnung einst blühte,
wo schimmernde Wellen
erinnern an Stunden des Traums.

Bewein nicht dein Herz. 
Jede Träne der Trauer 
erstarrt doch zu leblosem Stein.
Nimm deine Gefühle fest in die Hand,
schleudere sie weit
hinein in die glänzende Tiefe des Wassers.
Niemand kennt diese Stelle, 
an der deine Liebe ihr Grab hat. 
Nur du ganz allein!

 

 

 

 

Begegnung

Zwei sich begegnende Schiffe 
im wabernden grauweißen Nebel. 
Trostreich leuchtet grün und rot
der Schein der Laternen,
ein Versprechen auf 
Wärme und Leben und Freude.
Konglomerat der Illusion,
streng reglementiert sind die Zeichen
von Abstand und Nähe des Anderen.
Doch wie stelle meine Position
ich nun fest, da ich doch
die eigenen Lichter nicht sehe?

 

 

 

Ikarus

Noch bevor die Sonne erwachte,
entfaltete Ikarus seine Schwingen,
flog weit über die Ebene
bis an den großen Strom.
Dort, wo ein Pylon den Fluss überragt,
stand ein »Daheim«, 
das er so lange gesucht.

Doch kam er dabei dann 
der Sonne zu nah, 
seine Schwingen verbrannten
zu glühender Asche.
Nichts blieb zurück
als ein Gebirge von Liebe,
das Ikarus einst sich erträumt.

 

 

 

 

Manchmal

Unablässig wandern 
Gedanken zu dir,
unruhig alle Sinne,
die dich ahnen.
Manchmal möchte ich über 
den Schatten springen. Manchmal.

Gefangen in 
Konventionen des Alltags,
gebunden in schnurgeraden Tagen.
Manchmal möchte ich
den Kalender zerreißen. Manchmal.

Erfahren in 
vielen Sparten des Lebens,
ermüdet im täglichen 
Kreislauf der Pflichten.
Manchmal möchte ich mit dir 
allem entflieh’n. Manchmal.

Zufrieden glaubte ich, 
bisher zu sein.
Zurück bleibt ein schaler Geschmack.
Einmal werde ich
alles hinausschreien. Einmal.
 

 

 

 

 

 Abendspaziergang

- ein Traumbild -

Der schmale Pfad führt unter Weiden 
hinab zum kleinen Fluss.
Heller Abendnebel küsst zart blaugrünes Gras.

Schwarzgraue Schatten wachsen
aus feuchter Abendkühle
voll Erinnerung an einen sonnigen Tag.

Ein moosbewachsener Kahn
am Ufer träumt von vergangener Zeit.
Dunkle Wellen flüstern still vor sich hin.

Du schaust mich liebevoll an.
In deinen klaren Augen liegt ein Schimmer
der Zärtlichkeit, die ich so lange vermisst.

Wir gehen den Weg schweigend zurück.
Der Abend deckte die Wünsche zu,
sie alle verlieren sich unten am Fluss.

Als ich in der Frühe des Morgens
aus meinem Traum erwachte,
begann schon ein neuer Tag.

 

 

 

 

Ein Stern

Eine kühle Novembernacht.
Inmitten weißer Wolkenpracht
in dunkelblauer Himmelsferne
unendlich viele Sterne.
Einer strahlt fast wie ein Gruß.
Das ist mein Stern: Die Venus.

 

 

 

 

Diese Drei

Nun aber bleiben
Glaube, Hoffnung, Liebe,
diese Drei ..
.

Zu groß war mein Glaube,
einmal das Ende der Zeit mit dir
gemeinsam zu durchwandern,
alles hinter mir zu lassen
und nur noch für dich zu leben.
Zu gross war die Hoffnung,
du könntest ebenso empfinden
wie ich und Zeit und Raum
vergessen und in
meinen Armen die Ruhe zu finden.

Glaube und Hoffnung
wie herabgefallene Blätter
modern sie nun tief
auf dem Grund des Herzens.
Was allein nur blieb,
das ist meine Liebe,
grenzenlos lebt sie fort
mit jedem Gedanken an dich
überwuchert mein eigenes
Denken und Fühlen
und ist trotz allem
ohne Glaube und Hoffnung
ein Nichts im Widerstreit der Gefühle!

...aber die Liebe ist
die Größte unter ihnen

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Stimmungen

Ein sanfter Hauch streift 
Durch Wald und Auen.
Wolkenbilder verzieren
Das Blau des Firmaments.
An grünen Zweigen hängt
Ein roter Sonnenball.

Mit Flötenklängen 
Singt eine Amsel den
Lauen Wind in sanften Schlaf.
Eine Kette wilder Gänse
Zieht mit hellem Schrei
Dem Fluss entgegen.

Ein schmaler Sonnenstrahl 
Bricht durch die Wolken.
Es riecht nach Regen.
Hinter dunklen Wäldern
Versinkt unendlich leise
Das Licht in der Unendlichkeit.

Die schmale Sichel 
Eines bleichen Mondes 
Zieht einem Segel gleich
Durch dunkle Wolkenmeere,
Vorbei an steilen Küsten -
topOhne Anfang, ohne Ziel.

 

 

Somniator

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