Die Wildgans.

Wenn im Rot des Horizonts
Die Sonne versinkt,
Geht die Welt auch zur Ruhe.
Wenn die Wildgänse ziehn, 
Im Dunkelblau des Firmaments
Erwacht das Leben der Nacht.

Nichts ist so schön
Wie das Funkeln der Sterne,
Nirgendwo ist mehr Stille
Als in der nächtlichen Schwärze.
Wenn das Schreien der Gänse
Unsre Gedanken begleitet,

Wir fühlen die Schönheit der Welt.
Alle Gedanken, die uns belasten,
Verschwinden im Nebel des Nichts!
So wie die Nacht ist unser Leben,
Glaub nur an den Morgen
Und leb ruhig in Träumen,

Niemand kann sie dir nehmen.
Und wenn wir einst 
Wie die Wildgänse ziehen
In ein Land ohne Wiederkehr,
Dann begleitet uns 
Auf diesem Flug unsere Liebe.

 

 

Strandgedanken I

Vollmondnacht am verschwiegenen Strand.
Weichschäumende Wogen 
schlängeln sich in kräuselndem Bogen
auf den kalten, weißen Sand.

Ein kleiner Krebs zieht eine verschwindende Spur 
Fast unsichtbar vom Land ins Meer
Vom kleinen Dorf der Geruch von Fisch und Teer
beweist mir: Ich bin ein Teil der Natur!

Der algenbewachsene Felsen in fahlem Grün
bezeugt auch im Mondlicht des Meeres Macht,
und in diffuser traumhafter Pracht
seh ich hoch über mir silberne Wölkchen ziehn.

Die letzte Stunde an verschwiegener Stelle.
Schmeichelndes Nass seh‘ ich im Sande verrinnen
meinem Leben gleich, und mit allen Sinnen 
spüre ich des Lebens Schicksalswelle.
 

 

Strandgedanken II

Mondgeflüster. Fahl spiegelndes Meer
in silberbleichem Licht.
Ich atme tief ein, es riecht
nach Salz und Tang und Teer.

Pariser Blau, weißer Schaum.
Sanftes Plätschern auf nassem Sand.
An der Kimm, fern vom Land,
fliegt ein schemenhafter Traum.

Morsche Planken kennen Fischersorgen.
Unaufhörlich bringt weißer Dünensand 
Verwüstung über die Föhren am Strand.
Durch verschlissene Netze atmet der Morgen.
 

 

 

Waldspaziergang

Komm,
lass uns springen über die Gräben,
die Weg von Weg trennen,
über Unterholz, das alle Gefühle
überwuchern will,
über Knüppel, die uns behindern.

Komm, 
lass uns Pfade suchen,
wo es scheint, als ginge es hier 
nicht mehr weiter.
Und stolpern wir, so halten wir 
uns aneinander und voll Vertrauen
wissen wir uns geborgen.

Komm, 
wir halten uns fest an der Hand 
und glauben, die Welt wär’
ein Wundergarten,
wo Rosen wachsen ohne Dornen,
bis wir dann spüren, dass sie uns stechen.
Doch wir lassen nicht los -
jetzt erst recht! 
 

 

 


 

Wie ein Zugvogel

Wie ein Zugvogel
heimgekehrt nach langer Reise
fühlt sich mein Herz, wenn ich dir nahe bin.
Erholt sich von allen Mühen, 
dem Suchen, Kreisen
um irgendeinen Sinn,
und du erscheinst dann
im Durcheinander meiner Seele
als grüner Zweig, auf dem für immer 
ich mich niederlassen möchte.
 

 

 

 

 

 

Ahnung von Unendlichkeit.

Der Wald schweigt mich an.
Blätter, braungelb gemalt, 
Faltern gleich, gaukeln zu Boden.
Spiegelnde Stille auf 
samtgrauen Wassern,
Nebelschwaden schweben über
schweigendem See. 

Auf grün bemoostem Pfahl
ein einsamer Bussard.
Sein scharfheller Blick 
schweift über die Weiten.
Unter grauen Wolken ziehn Kraniche 
westwärts in verschachtelten Ketten
wie Perlen auf einer Schnur.

Tiefe Furchen von Rädern
im feuchtmorastigen Weg.
Der süssliche Duft 
frisch geschlagener Kiefern,
vermählt mit modriger Erde,
betäubt fast die Sinne in 
morgendlicher kühler Luft.

Urplötzlich erspür ich
die Pause im Kreislauf des Lebens.
Die Ruhe nach stürmischen 
Nächten voll sprudelnder Kraft.
Doch hinter dem Vorhang des Lebens
geschieht schon der Wechsel
zum künftigen Akt des ewigen Seins.

 

 


 

Wildgänse

Bleierner Himmel, bizarre Wolkenbilder.
Tausend graue Gänse gleiten rufend
durch den frühen Morgen.

Silbern schimmern taubedeckte Wiesen,
rau spielt der Wind mit den Blättern
der großen Trauerweide dort am See.

Die Luft erfüllt von sanftem Rauschen,
lange Ketten wilder Gänse schweben 
durch das Morgengrau zu Boden.

Kaum wage ich zu atmen, stehe still, 
nehme diese Bilder in mich auf und 
stell mir vor, ich wär ein Teil von ihnen.

 

 

 

Eine Radtour

Vor mir die Bäume der Pappelallee,
in der Ferne blau schimmernd der See,
ein Bussard in schimmernder Höh.
Die Räder singen.

Morgendliches farbiges Land,
Kieferngehölze im Heidesand,
äsende Rehe am Waldesrand,
die Leben bringen.

Rast im Schatten von grünen Bäumen
verleitet zu wild-romantischen Träumen,
solch Erlebnis bleibt lange bestehen,
lässt die Seele erklingen.

 

 

 

 

Schmetterlinge

Bunte Schmetterlinge 
schwirren ständig  
durch Regenbogenfarbenringe. 
Zeigen mir: Ich bin lebendig!

Wunschträume, längst erwacht,
unablässig spielen 
die Nachtgedanken
mit Gefühlen.

Morgendliche Stimmung,
ungeschminkte Wahrheit!
Liebevolle Bindung
in getrübter Klarheit?

Offene Fragen
aus dem Dunkel erwacht.
Auch sonnige Tage
enden mit der Nacht.

 

 

 

Vorbestimmung?

Schroffes Gestein an waldigen Stränden.
Mit Urgewalt stürzt sich der Strom
zwischen scharfkantigen Felsen
steil hinab in das weite, grünende Tal.

In weiße Brandung gekleidet,
kommen aus weiten Fernen
Schwärme braunsilbriger Wesen
zu ihrem Ursprung gezogen.

An einsamen steinigen Ufern,
zwischen hoch aufragenden Bergen,
an denen sie einst geboren,
erfüllt sich ihre Berufung des Lebens.

Wir Menschen können uns niemals
auf solche Bestimmung berufen.
Gott schenkte uns die Freiheit,
selbst zu denken. 

Wir sind keine Sklaven 
der Prädestination.
Wir dürfen selbst entscheiden,
Ja zu sagen oder auch Nein!

 

 

 

Tête à Tête

Kleiner blauer Schmetterling
gaukelt zwischen Sonnenblumen,
spielt wie ein kleines Kind,
des Alleinseins müde
mit dem Tau der Morgenfrühe.

Nebelschwaden streifen
sonnenhungrig durch
das Grün der Wiesen.
Schweben elfenschleiergleich
über bunte Blüten.

Großer gelber Falter
tanzt für sich allein
zwischen filigranen 
Gräsern, hier und dort
im hellen Sonnenschein.

Großer Falter,
kleiner Schmetterling, 
wiegen sich vereint 
im Winde bis ins ferne
allerletzte Abendrot

 

 

.

Wenn der Wald stirbt

Wenn der Wald stirbt,
schweigen die Tiere.
Sie können nicht klagen,
sich auch nicht wehren,
Asphalt und Beton
sind stärker als sie.

Wenn der Wald stirbt,
weinen die Vögel.
Sie können nicht singen
nicht im Lenz jubilieren,
in kahlen Zweigen
gibt es kein Nest.

Wenn der Wald stirbt,
erschrecken die Menschen;
sie könnten schreien,
doch es hört keiner mehr,
denn ohne Wälder
stirbt auch das Leben.

 

 

 

Waldträume

Wenn die Zeit am Abend schlafen geht,
ganz leise der Wind durch die Zweige weht,
wenn eintönig der Regen rauscht,
und die Natur die Nacht belauscht,
dann erzählen im Wald sich die Bäume
flüsternd ihre tiefblauen Träume.

Sie reden leise in geselliger Runde 
oft noch zu mitternächtlicher Stunde
aus ihrer längst vergangenen Zeit,
die schon so unsagbar weit,
vor mehreren Hundert Jahren,
als alle Bäume noch Bäumchen waren.

Es gab Sommertage, trocken und heiß,
dann Winterzeiten mit Schnee und Eis,
unbarmherzige Sturmgewalten,
Sie überstanden alles wohlbehalten.
Aber heute, am frühen Montagmorgen
erzittern die Bäume voller Sorgen.

Sie sehen mit ungläubigen Blicken,
wie Bagger dem Wald zu Leibe rücken.
Es stand lange schon im Bebauungsplan:
Wir brauchen die neue Autobahn!
Der Wald muss endlich weichen,
Kiefern, Birken, Buchen und Eichen.

Wir brauchen Platz, das ist ganz klar,
der Autoverkehr wird von Jahr zu Jahr
ständig wachsen, und was dann?
Das fragt sich am Ende jedermann.
Es muss etwas geschehen, und zwar bald!
Wozu brauchen wir eigentlich den Wald?

Wenn abends die Bäume schlafen gehn,
die Winde leise durchs Unterholz wehn,
wenn noch Rehe auf der Lichtung äsen -
ist das schon Vergangenheit gewesen?
Irgendwann erkennt auch der letzte Mann,
dass man ohne Natur nicht leben kann ...
 

 

 

 

Werden und Vergehen.

Wotans dunkelgraue Wolkenscharen,
Stürme, die einst zahme Winde waren, 
jagen durch silberne Höhen,
wirbeln wild über Berge und Seen.

Durch enge Täler und weite Felder,
über Gipfel und unendliche Wälder,
vom Morgen bis zum Abendrot,
Sturmwinde kennen kein Verbot.

Junge Eichen wiegen sich noch im Wind,
uralte knorrige Stämme aber sind
zerbrechliche Naturgestalten,
widerstehen zunächst allen Gewalten.

Irgendwann aber ist es einmal so weit,
ohne Gnade kommt dann ihre Zeit,
der Sturm vollendet ihr langes Leben,
mit Zittern und gewaltigem Beben,

stürzen sie zum moosigen Grund,
hauchen ihr Dasein leise aus und
sind der Grundstock für neues Werden,
so wie alles Vergehen hier auf Erden.

 

 

 

Farbenspieler

Schon seit Langem störte mich
die blendendweiße Leinwand
auf meiner alten Staffelei.
Drum fasst ich mir ein Herz
und mischte meine Farben
enthusiastisch und voll Fantasie:

Das Chromoxidgrün mischte ich
mit Kassler Braun zu einem
wunderschönen Erdenton.
Ein wenig Gelb mit Grün noch
für die Sonne auf den Wiesen,
mit dunklen Schatten ausgefüllt.

Pariser Blau mit lichtem Ocker 
gepaart für dunklen Tannenwald;
magentaroter Abendschein
hinter der braunen Fischerhütte
am kleinen Umbragrünen See
vollendete die namenlose Pracht.

Wie von selbst lief da der Pinsel,
über freie Flächen, sie zu füllen,
gestaltete die Farben, Formen
und zum zauberhaften Farbenspiel
verliefen die Gedanken sich
mitten hinein in dieses Bild.

Als ich am Morgen dann erwachte,
rieb ich verwundert mir die Augen.
Nur Horizont, die Leinwand fort,
verschwunden alle Farben, Formen;
vom Bildnis meines Traums blieb
nur ein heller Fleck in den Gedanken.next1

top

 

 

Ahnung von Unendlichkeit.
Die Wildgans
Eine Radtour
Farbenspieler
Schmetterlinge
Strandgedanken II
Strandgedanken I
Tête à Tête
Vorbestimmung?
Waldspaziergang
Waldträume
Wenn der Wald stirbt
Werden und Vergehen.
Wie ein Zugvogel
Wildgänse

Anima viventem

top
top
top
1_pfeil_ob